Mich hats wohl am schlimmsten erwischt. Die ersten Wahlplakate, an
die ich mich erinnern kann, waren groß mit “Wende” betitelt. Meine
ersten 16 Jahre als politisch Interessierter verliefen entsprechend.
An die Beerdigung des 30 Tage Papstes kann ich mich auch noch
erinnern, aber damals hatte ich noch Hoffnung. Die wurde allerdings
zerschmettert, als unsere neu dazugekommenen Bundesbürger das Gefasel
von “blühenden Landschaften” glaubten und wählten. Allerdings dachte
ich, es geht nicht schlimmer. Aber nur ein paar Wochen, bis der
Golfkrieg II losging. Es folgte Katastrophe auf Katastrophe, wo auch
die Hoffnungsträger der Macht erlagen. Die (vorläufige) Spitze schoss
dann sicherlich G. W. Bush ab und der Klub, der in seiner Regierung
saß und die Weltöffentlichkeit nach Strich und Faden verarscht hat.
Wie soll man da noch glauben, dass Wählen was ändert oder es irgendwo
noch Politiker gibt, denen es um was anderes als Macht und Geld gibt?
Dabei hat man als Mitteleuropäer ja noch Glück. Wenn man in Afrika
oder dem mittleren Osten lebt, kann einen der Hass schon mal
übermannen und man schnallt sich einen Sprengstoff-Gürtel um. Nicht,
dass ich das gutheisse, aber verstehen kann ich es schon.
Schlimmer – Die Trivialisierung der Politik
09
Jul