politikurde ja damals tatsächlich “das Ende der Geschichte” verkündet.
> Aber eigentlich war doch schon damals klar, daß sich nur selbst in
> die Tasche lügt, wer aus dem Übrigbleiben des Kapitalismus schließt,
> das dieser wohl das richtige Gesellschaftssystem sein muß.
Es hat sich zumindest als das robustere System erwiesen.
Ein ganz entscheidender Punkt ist übrigens, daß der vor 15 Jahren
herrschende, eher gemäßigte, soziale Kapitalismus nicht mehr viel
gemein mit dem heutigen aggressiven, extrem wirtschaftsfixierten
Imperialismus hat. Im Nachhinein betrachtet, wirkt es auf mich sogar
erstaunlich, daß es nach dem Zusammenbruch des Ostens überhaupt
solange bis zur Entfesselung der reinen Macht- und Wirtschafts-
interessen dauerte.
> Natürlich konnte niemand in den unsäglichen Gebilden der
> realsozialistischen Staaten eine wirkliche Zukunft erblicken.
> Aber das es sie gab, machte dennoch Hoffnung, indem man sah,
> daß es prinzipiell auch eine Alternative möglich ist zu der
> Gesellschaft, in der man sich befindet. Jetzt ist es viel schwerer,
> sich das vor Augen zu halten, besonders, wo Utopien insgesamt
> unmodern geworden sind.
Ack.
> Dann läuft es aber leider nur daraus hinaus, daß in den USA, wo man
> allein schon für den Wahlkampf viel Geld haben muß, die Industrie
> direkt regiert, während in Europa vielleicht auch noch etwas
> unabhängigere gewählt werden können, die dann aber gegenüber der
> wirklichen Macht im Hintergrund hilflos sind. So groß ist dieser
> Unterschied ja leider dann nicht.
So etwa sehe ich das. Unsere Politik steht schlicht vor der
Entscheidung, ob sie diese Entwicklungen mitgeht oder auf
dagegen setzt. Eine wirkliche Wahl hat sie nicht. Wir werden
zeitverzögert den USA auf ihrem Weg folgen, für die herrschenden
Klassen geht es schließlich um nicht weniger als die eigene
Existenzberechtigung. Und zeitverzögert bedeutet heute nicht
mehr Jahre, sondern aufgrund der extremen Beschleunigung der
Vorgänge, Monate.
> Ich denke, wenn Schröder hier energisch den Sozialabbau
> vorantreibt und noch gegen die angeblichen Faulpelze hetzt,
> dann weiß er genau, was er tut.
Das ist schon richtig. Doch ist nicht anzunehmen, daß Schröder
vor 5 Jahren angetreten ist, um einmal eine solche Entwicklung
anzustoßen. Ich fürchte vielmehr, die stehen die mit dem Rücken
zur Wand und sind urplötzlich dynamischen Protzessen ausgesetzt,
die sie völlig überrollen und überfordern. Man versucht nun mit
allen Mitteln, Stabilität und Handlungsspielraum zurückzugewinnen,
da auch für den Dümmsten abzusehen ist, daß unsere Gesellschaft
auseinanderfällt, wenn die Entwicklungen noch einige Zeit in diesem
Tempo anhält. All dies sind keinesfalls Rechtfertigungen für unsere
wehrlosen Politiker, im Gegenteil, es sind Belege für Inkompetenz
und Verkrustung. Dem Schröder und seiner Regierung wird eine
Zuspitzung der Situation in unserem Lande wohl weniger in den Kram
passen, bei Teilen der Opposition und in den USA ist jedoch
anzunehmen,
daß diese rasante Tempo genauso gewollt und forciert ist. Es bringt
zwar einige Verwerfungen mit sich, doch insgesamt wird die
Bevölkerung damit in einem Maße überrollt, daß jede Gegenwehr
unmöglich ist.
> > Es stellt sich für jeden nur eine entscheidende
> > Frage, mal vorausgesetzt, unsere Zivilisation als solche überlebt
> > die nächsten 50 Jahre: Was soll man tun? Will man sich auf die
> > ‘neue Ordnung’ einlassen, sich mit den Verhältnissen arrangieren,
> > solange es irgend geht oder will man das bekämpfen, was doch
> > längst aus den Anfängen heraus ist. Ich bin darüber recht
> > unschlüssig…
>
> Gute Fragen. Zusatzfrage: lohnt es sich überhaupt noch, zu kämpfen,
> oder geht nicht ohnehin alles den Bach runter, daß nix mehr bleibt,
> wofür es sich zu kämpfen lohnt? ![]()
Tja, das weiß man wohl erst hinterher :/
Aber den Versuch ist es wohl wert, oder nicht?!
Tim.
Inkompetente Politik – No Sex!
04
Apr