Die Branche wende sich nur an die Politik, wenn ihr Gefahr droht,
heißt es also. Die Gefahr droht logischerweise sofort, wenn nur 1
Cent Verlust droht – ergo dürfte sich die Branche permanent an die
Politik wenden. Und tatsächlich stellt es sich so dar: Die
Weiterverfolgung von DRM, die faktische Abschaffung der Duldung der
Privatkopie, der Wunsch nach direkten Auskunftsrechten bei Providern,
der Wunsch, die zunehmende Kriminalisierung von P2P-Nutzern… all
dies geschieht nicht aus dem luftleeren Raum heraus. Wer sieht, wie
Herr Clement das neue Urheberrecht lobpreist, der sieht auch, wie
stark die Zusammenarbeit hier ist.
Die Branche sieht sich permanent in Gefahr – zu Recht, meiner Meinung
nach. Viele Zweige der Verwerterkette werden überflüssig und Menschen
fürchten um ihre Pfründe. Wer benötigt auf Dauer noch die
ursprüngliche Form des Marketing, wenn das Netz sie ersetzt, wenn die
Mundpropaganda bzw. Linkpropaganda effektiver ist? Wer will sich
weiterhin vom Anfang der Karriere an den Verwertern ausliefern, so
dass er, selbst wenn er riesigen Erfolg hat, über Jahre hinweg durch
in Naivität abgeschlossene Verträge gebunden ist?
Es wird ein Umbruch geschehen und letztendlich sind die Versuche,
hier einen rechtlichen Damm aufzustellen um das Wasser des
Fortschrittes aufzuhalten, eher bemitleidenswert.
Die Forderung nach einer Deutschquote ist schlechthin eine
Missachtung der Verhältnisse. Wer die Charts der letzten Jahre
betrachtet, der findet genug deutsches Liedgut – von den Söhnen
Mannheims über Frau Catterfeld, Nadja von den No Angels über Glashaus
(um mal die drei hauchenden und seufzenden Dämchen in einer Reihe zu
sehen), von Sido und Fler über die Randfichten, Xavier Naidoo, Fettes
Brot, Fantastische Vier, Beginners…
Wer vormittags z.B. zur Zeit den an das jugendliche Publikum
gerichteten Sendern lauscht, hört zu einem guten Teil bereits
deutschsprachige Musik.
Und was die politische Botschaft des Pops angeht, so ist diese
faktisch nicht vorhanden. Ab und an finden sich innerhalb des Troges
in der
wir-hatten-eine-geile-zeit-innerhalb-der-neuen-deutschen-perfekten-we
lle-und-es-muss-Liebe sein-und-ich-vermisse-dich-so-sehr Pampe dann
ein politisches Perlchen wie “Babylon System”, was prompt aber mit
glaubensbekenntnerischem Essig zersetzt wird, so dass letztendlich
nichts bleibt außer einem lauten “Fuck you, I won’t do what you tell
me”, gefolgt vom leiseren “Enough is enough”.
findet
Der nachdenkliche Kaiserpinguin am Samstag
Gefahr für die Branche – Politik-Pop vs. Pop-Politik
27
Feb